
Unionsverlag, Zürich (Abbildung zeigt andere Ausgabe).
|
Die Krebskönigin oder Eine seltsame Reise zum Mond
Textauszug:
...23. März 19...
All diese Apparate, Wirrwar bizarrer und harmonischer Formen, Knöpfe, Schalter, Hebel, undurchschaubare Systeme, Knäuel, Bündel, Knoten aus Stahl, aus Glas, aus Weiß-nicht-was; Armaturen Instrumente Schalttafeln; Kontrollampen Anzeiger Skalen; Glieder Gelenke Scharniere - mit einem Wort: diese ganze Höllenmaschine in ihrem erbarmungslosen Glanz, ausgeleuchtet bis in den letzten Winkel von gespenstisch weissem Licht, das kurze, bläulich flirrende Schatten wirft, die trügerisch von Ruhe und Hoffnung künden, gleich denen eines Sommermittags in einer anderen Welt, die so viel weiter scheint und doch ebenso eng ist
... Ich hasse das ununterbrochene schrille Pfeifen, das manchmal so weit ansteigt, daß es sich als klanglose, für meine Ohren nicht mehr wahrnehmbare Schwingung verliert.
Die Erde unter mir verändert sich kaum, zeigt immer dieselbe Fratze, das Gesicht meines Heimatkontinents: Europa. Eine Fratze, von vorbeiziehenden Wolken unablässig verhüllt und wieder enthüllt, manchmal verfälscht, doch im Grunde immer dieselbe, wie das Gesicht eines Menschen trotz Gefühlsschwankungen doch immer dasselbe bleibt. O könnte ich nicht wenigstens dazu verurteilt sein, einen mir unbekannten, weniger verhassten Teil der Erde vor Augen zu haben?
Über mir: der Mond, der romantische Mond ... Nie habe ich den schrecklichen Sog dieses Gestirns, dieser aufgerissenen Kraterlandschaft stärker empfunden.
Der Körper des Toten folgt mir unerbittlich.
[...]
|
|